Autos haben Wertverlust? Und was ist mit Kindermöbeln?

Sobald über einen neuen Autokauf nachgedacht wird, melden sich schon Stimmen von praktisch überall her: „Einen Neuwagen? Bist du wahnsinnig? Weißt du, was der im ersten Jahr an Wert verliert?“

Ja und Recht haben diese unqualifizierten Stimmen, die lediglich das nachplappern, was Experten schon lange wussten. Ein Neuwagen verliert bei einer Fahrleistung von ca. 15.000 km im ersten Jahr rund ein Viertel seines ursprünglichen Kaufpreises. Aber niemand, wirklich niemand weist einen darauf hin, welchen Wertverlust Kindermöbel erfahren. Ich sehe mich noch heute die Kataloge wälzen. Gedankenverloren habe ich mir ein wunderhübsches Kinderzimmer zusammengeträumt und nach unzähligen Recherchestunden auch gefunden. Qualität sollte es sein und die hat bekanntlich ihren Preis. Rund 1200 Euro für ein Babybett, eine Wickelkommode und einen Kleiderschrank. Richtig ausgemessen und platziert sah es wie einem Lifestyle-Katalog entsprungen aus. Die Türen und Schubladen wurden ganz bedächtig geschlossen, schließlich war dieses Zimmer eine Art Kunstwerk.

Nach einem Jahr begann der Zerfall

Immerhin etwa zwölf Monate durften wir uns diese Prachtexemplare an Mobiliar anschauen. Genau so lange, bis der Nachwuchs mächtig aktiv wurde. Die Türen wurden geknallt, die Schubladen im Sekundentakt auf und zu gehämmert. Gerne wurde auch mal am Rand gekaut, um die pochenden Zahnungsschmerzen zu betäuben. Nachdem mein drittes Kind aus dem Babybett entwachsen war, habe ich mich dazu entschlossen, es via Kleinanzeigen zu verkaufen. Als Interessenten dann vorbeischauten, um sich das angepriesene Babybett anzuschauen, legten sie ihre Stirn in Falten. Mir war es fast ein wenig peinlich, zu erklären, dass es sich bei den Gebrauchsspuren um Zahnabdrücke meiner Kinder handelte, die wahlweise im Tobsuchtsanfall oder bei Zahnungsschmerzen den Außenrahmen des Babybettes bearbeitet hatten. Aber wenn ich recht darüber nachdenke, ist es noch glimpflich davongekommen. Schließlich hat es drei Babys ins Kleinkindalter befördert. Und da ist er auch schon, der Abschiedsschmerz. Dieser stellt sich immer dann ein, wenn ich mich von einem Objekt trennen muss, was meine Kinder jahrelang begleitet hat. Also tröste ich mich mit dem Gedanken, dass nun ein anderes Kind darin friedlich schlummert und der Wertverlust ist plötzlich ganz egal.

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