Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

Hochsensible Kinder nehmen ihre Umwelt anders wahr. Sie stoßen häufig auf Unverständnis und werden in die Kategorie „Weichei“ eingestuft. Dabei können wir von ihnen viel lernen. Ihre ausgeprägte emotionale Intelligenz und ihre kreative Ader bringen Eltern regelmäßig zum Staunen. Besonders wichtig ist, dass hochsensible Kinder gemäß ihrem Naturell behandelt werden müssen. Dann öffnen sie Erwachsenen eine Tür zu einer Welt voller Wunder.

Hochsensibilität – was ist das eigentlich?

Hochsensible Menschen haben einen anderen Blick auf ihre Umwelt. Sie verarbeiten Informationen und Reize umfassender als andere Menschen. Während ein großer Teil der Gesellschaft einen eingebauten Filter besitzt, der dafür sorgt, dass nur die wichtigen Informationen durchdringen, verfügen hochsensible Kinder scheinbar über einen solchen Filter nicht. Dadurch, dass die Reize in ihrer gesamten Größe auf das Kind einprasseln, fühlt es sich irgendwann überfordert. Dann schlägt die Stimmung um und das sorgt für verständnislose Blicke. Schließlich wird ein unangepasstes Kind, welches es wagt, sich in der Kirche inmitten einer Predigt die Ohren zuzuhalten und laut ein Lied vor sich herzusummen, nicht gern gesehen.

„Du alte Heulsuse!“

Besonders schmerzhaft ist für betroffene Kinder, dass sie durch ihre Art häufig „anecken“. Dabei fällt es ihnen besonders schwer, mit Kritik umzugehen. Fälschlicherweise wird bei hochsensiblen Kindern oft davon ausgegangen, dass sie eine niedrige Frustrationsgrenze besitzen. Aber vielmehr kommen sie schneller an ihre persönlichen Grenzen, weil sie viel mehr Reize aufnehmen und verarbeiten müssen.

Auch für Eltern eine echte Herausforderung

Auch für Eltern ist das Zusammenleben mit einem hochsensiblen Kind nicht immer einfach. Situationen, die unvorhergesehen auftreten, können den hochsensiblen Nachwuchs stark verunsichern. Vor allem laute Umgebungen oder viele Aufgabenstellungen gleichzeitig, können Hochsensible aus der Bahn werfen. Die vielen Reize fordern ihren Tribut und dadurch reagieren hochsensible Kinder häufig mit Aggression oder Rückzug. Das geschieht nicht bösartig, sondern ist eine Form von Selbstschutz und Abgrenzung.

Hochsensibel? Merkmale checken!

  • Dein Kind hat eine besonders feine Nase und nimmt selbst leichte Gerüche wahr.
  • Überraschungen oder große Veränderungen sind gar nicht angesagt.
  • Stoffe und Nähte in Socken werden als störend empfunden. Besonders schlimm: verarbeitete Etiketten.
  • Dein Nachwuchs kann als perfektionistisch bezeichnet werden.
  • Am liebsten spielt dein Kind in einer ruhigen Umgebung.
  • Tieren und Menschen bringt dein Nachwuchs eine besonders feinfühlige Art entgegen.
  • Tiefgehende und nachdenkliche Fragen sind an der Tagesordnung. Hochsensible Kinder beschäftigen sich häufig früh mit dem Tod.
  • Dein Kind ist besonders schmerzempfindlich.
  • Laute Umgebungen werden als störend und fast schmerzhaft empfunden.
  • Dein Kind bemerkt selbst kleine Veränderungen in seinem Umfeld, zum Beispiel wenn ein Bild umgehängt wurde.

Hochsensibilität als Fluch?

Auf keinen Fall, denn hochsensible Kinder verfügen über ein Repertoire an Fähigkeiten, das neidisch macht. Sie bringen Mitmenschen eine besondere Empathie entgegen, was sie als beliebte Gesprächspartner auszeichnet. Sie sind kreativ und stecken voller Ideen. Als kleine Philosophen helfen sie verkopften Eltern so manches Mal aus der Patsche und bringen sie mit ihren Fragen zum Staunen. Wahre Problemlöser sind hochsensible Kinder. Kein Grund also, sich zu sorgen. Hochsensibilität ist keine Krankheit oder ein Zeichen für eine Instabilität. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Charaktereigenschaft, die dein Kind zu einem echten Überflieger machen kann. Und dabei bist du gefragt!

Nutze die Talente und sei ein Fels in der Brandung!

Es ist eine abgelederte Bezeichnung, trotzdem in diesem Fall sehr angebracht: „ein sicherer Hafen“. Genau das musst du sein, um deinem Nachwuchs dabei zu helfen, selbstbewusst mit seiner anderen Wahrnehmung umzugehen. Dafür kannst du folgende Tipps beherzigen.

  1. Sorge für eine reizarme Umgebung und ermögliche einen persönlichen Rückzugsort.
  2. Akzeptiere die Hochsensibilität und vermittle auch deinem Kind, das es völlig in Ordnung ist, feinfühliger zu sein.
  3. Arbeite nicht mit Druck, denn Gespräche und Alternativen führen zur Lösung.
  4. Entwerfe einen individuellen Tagesablauf und findet euren Weg. Dazu gehört auch Meinungen anderer einfach mal zu ignorieren, schließlich kennst du dein Kind am besten.
  5. Höre deinem Kind gut zu und erfülle ihm die Wünsche für ein bequemes Leben. Kratzen die Etiketten? Dann raus damit! Die Hose ist zu eng? Dann geht gemeinsam shoppen!

Hast du die Vermutung, dass du selbst hochsensibel bist? Dann kann dir auch mein Beitrag zum Thema Selbstwahrnehmung helfen: Vergiss die Selbstzweifel! 3 Tipps, um deine Selbstwahrnehmung zu stärken!

2 thoughts on “Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

    1. Vielen Dank, liebe Sabine. Mir ist es ein besonderes Anliegen darüber zu schreiben, denn in Wahrheit ist Hochsensibilität doch eine verkannte Superkraft 😉

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