Warum es ohne Lästern nicht geht

Hand aufs Herz: Wie oft tratschst du über andere Leute? Bestimmt mehr, als du zugeben möchtest. Keine Sorge, ich verurteile dich nicht. Gehört es doch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen mich mitten in einer Stadt auf eine Parkbank zu setzen und fremde Menschen zu mustern. Ganz automatisch entsteht dabei Klatsch und Tratsch, den ich mit anderen Menschen teile. Aber ich bin keine gehässige oder missgünstige Person, sondern einfach interessiert an meiner Umwelt. Und dass das keine Seltenheit ist, beweist eine Untersuchung von dem Psychologen Robin Dunbar. Dieser belauschte, natürlich zu rein wissenschaftlichen Zwecken, Menschen in Zügen, Einkaufszentren und Bars. Heraus kam, dass sich mehr als ein Drittel der Gesprächszeit um Menschen dreht, die bei dem Gespräch gar nicht anwesend sind.

„Wenn alle Menschen wüssten, was die einen über die anderen reden, gäbe es keine vier Freunde auf Erden“. Diesen schlauen Satz hat der französische Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal einst gesagt und ist der Wahrheit damit wahrscheinlich näher, als gedacht.

Ist Klatsch und Tratsch immer negativ?

Nicht unbedingt, wobei laut Wissenschaftlern der Klatsch in der Regel negativ ist. Psychologen führen oft als Ursache eigene Unzufriedenheit an, wodurch der Wunsch entsteht, auch über andere negativ zu reden. Zumindest ich kann das nicht bestätigen. Eine andere Theorie besagt, dass Negatives sich einfach besser „verkaufen“ lässt. Der untreue Ehemann von nebenan ist eben spannender, als der Glückskauf der Freundin.

Lästern ist wichtig, um zu überleben

Tratschen ist notwendig, denn dadurch wird unser soziales Warnsystem gefüttert. Wir tauschen Informationen über unsere Mitmenschen aus und lernen dadurch, von welchen Personen wir uns besser fernhalten sollten. Boshafte oder hinterhältige Menschen können dadurch im Vorhinein aussortiert werden. Ganz nebenbei erfahren wir, welche Verhaltensweisen Anerkennung erfahren und welche mit Missgunst abgestraft werden.

Was uns gut tut…

…… muss nicht automatisch anderen guttun. Aus diesem Grund ist es wichtig, andere Menschen mit negativen Klatsch und Tratsch nicht in eine Abseitsposition zu bringen. Soziale Isolation wird häufig durch ausgeprägtes Bashing hervorgerufen und kann Betroffene in depressive Episoden treiben. Ausgeprägtes negatives Klatschverhalten ist daher in jedem Fall scharf zu kritisieren. Wenn es aber darum geht, dass der Hippieopa aus deiner Straße mal wieder seine albtraumhaften, geblümten Joggingshosen mit ausgestelltem Bein herausgekramt hat, dann darf darüber hinter vorgehaltener Hand auch mal gekichert werden.

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