Kinderverbot im Restaurant? Geschmacklos!

Wie kann es eigentlich sein, dass die Gesellschaft so darum bemüht ist, humane und tolerante Werte für jedermann zu schaffen und dabei das Wichtigste – unsere Kinder – ausgegrenzt wird? Aber der eigentliche Skandal ist nicht das Kinderverbot, sondern die Diskussion darum.

„Wir müssen draußen bleiben“ das gilt nicht nur für Hunde

Kinderfreie Hotels gibt es schon lange und nun ziehen offensichtlich auch Gaststätten nach. Erschreckend viele Branchen zielen offensichtlich darauf ab, Kinder entweder gar nicht oder nur zu einer bestimmten Zeit willkommen zu heißen.
Eine Gaststätte in Binz macht es vor. Das erste Restaurant auf ganz Rügen setzt auf eine kinderfreie Zone. Das ist auch deutlich auf der Homepage der Gaststätte zu lesen.

….Aus diesem Grund bitten wir Eltern und Großeltern darauf zu achten, dass die lieben Kleinen sich auch entsprechend benehmen, artig mit ihrem Arsch am Tisch sitzen bleiben, nicht alles angrabbeln und weder andere Gäste noch Kellner nerven.

Diese wohl gewählten Worte beschreiben gut, was sich die Verantwortlichen von den kleinen Besuchern versprechen. Aber Achtung: Nur vor 17:00 Uhr, denn danach herrscht absolutes Kinderverbot, worauf auch das Schild direkt am Eingang hinweist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass vorher Kinder erlaubt sind, denn womöglich sind Restaurants nachmittags nicht genügend ausgelastet. In den Abendstunden sollen sich die Besucher aber gefälligst von dieser nervtötenden Kinderschar erholen können.

Kinder sind gefälligst kleine Erwachsene!

Da ist er wieder! Dieser Drang vieler Menschen, alles unter Kontrolle bringen zu wollen. Kein Platz für kreative Essensspielereien, Kinder-Singsang und Bewegungsfreiheit. Genau wie die erwachsenen Vorbilder sollen die Kinder gefälligst von der Essensbestellung über den Verzehr bis hin zur Rechnungsstellung auf den Plätzen verharren. Einzige Ausnahme: der Toilettengang, der gefälligst ebenfalls in geordneten Bahnen abläuft, vorzugsweise in Zweierreihen. Und wer etwas sagen möchte, der zeigt gefälligst auch auf und wartet, bis er dran ist! *Sarkasmusout

Die Meinungen gehen weit auseinander

Umfragen ergeben, dass die meisten Menschen gegen ein solches Kinderverbot sind. Auch der Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Christian Zainhofer, kritisiert die Haltung des Restaurantbesitzers. Aber es gibt auch einige Stimmen, die diese Regelungen ganz klar befürworten. Natürlich darf jeder seine Meinung vertreten aber dennoch darf die Frage erlaubt sein, was das Denken dieser Menschen beeinflusst? Eine mögliche Kinderlosigkeit, das trifft zumindest bei dem Gaststättenbetreiber zu, oder das Unvermögen Kinder als das zu sehen, was sie sind: nämlich inspirierende, lebensbereichernde Wesen, was übrigens genauso auf die frechen Ausgaben zutrifft.

Die Kommentare sind erschreckend!

Ich habe mir viel Zeit genommen, um die Artikel aber auch die Leserstimmen zu durchforsten. So manches Mal musste ich mich wundern, denn immer wieder kamen abgelederte „Argumente“ die belegen sollen, dass wir ohne Kinder in Restaurants besser dran sind.

Eltern haben Kinder heute einfach nicht mehr unter Kontrolle. Wenn sie im Restaurant umherlaufen oder schreien, stört mich das einfach! Ich will mich abends erholen.

Nehmen wir diese Meinungsäußerung einmal auseinander. Diese pauschalierte Aussage, dass Eltern ihre Kinder heute nicht mehr unter Kontrolle haben, ärgerte mich. Kinder haben von Natur aus einen starken Bewegungsdrang und tun sich bekanntlich schwer, zwei Stunden still auf dem Stuhl zu sitzen. Das hat nichts mit unerzogen oder mit der mangelnden Erziehungskompetenz der Eltern zu tun. Und schreien? Ja, das tun unsere Kinder am liebsten. Aus Traurigkeit, Frust, Wut oder Freude. Wir sollten ihnen doch zumindest in der Kindheit gestatten, ihren Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Auch wenn das nicht heißt, dass sie das ganze Restaurant zusammenschreien sollen. Aber manche Gäste fühlen sich selbst durch kurzweilige Schreiattacken tief in ihrer Esskultur erschüttert. Nun könnte man genauso argumentieren, dass mich das ständige Popcorngeschmatze im Kino stört, sehr sogar! Trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, dass ein Verbot von Popcorn doch ganz sinnvoll wäre.

Stattdessen habe ich 3 Möglichkeiten:

  1. Ich ignoriere es, obwohl es mich stört!
  2. Ich gehe, obwohl ich das nicht will!
  3. Ich spreche denjenigen an und bitte darum, ein wenig leiser zu sein!

Und bitte, da sind wir schon bei einem möglichen Lösungsansatz!

Lösungen? Raus aus dem Kinderverbot!

Das Traurige ist, der Fehler liegt nicht bei den Kindern oder deren Eltern, ja nicht mal bei dem kinderlosen Restaurantbesitzer, sondern lediglich in der fehlenden Kommunikation. Ganz klassisch ist es, dass Menschen lieber ihren Kopf in ihre Spaghetti stecken oder sich die Ohren zu halten, anstatt einfach freundlich darauf hinzuweisen, dass sie etwas stört. Womöglich ist es den Eltern in der hektischen Situation selbst nicht aufgefallen. Vielleicht kann man sie sogar unterstützen, indem man dem Kind einen Stift zum Malen reicht, anstatt sofort loszumeckern. Ich bleibe dabei: Es kann keine Lösung sein, Kinder einfach so lange zu verbannen, bis sie das „richtige“ Alter für den Restaurantbesuch erreicht haben. Kinder müssen zunächst lernen, was es heißt, sich in unserer Erwachsenenkultur zu benehmen. Viel zu oft sagen wir: „Benimm dich jetzt!“ Was das eigentlich heißt, weiß der Nachwuchs in dem Moment natürlich nicht. Anstatt die Schotten dichtzumachen, wäre es doch wünschenswert, Eltern die Hand zu reichen, um auch für sie einen Restaurantbesuch entspannt zu gestalten.

Das ist zu viel verlangt? Vielleicht, denn ich musste lange nach einem Restaurant suchen, welches eine Kinderkarte und eine Spielecke für die kleinen Gäste bereithält.
Letztendlich bin ich aber doch fündig geworden, und zwar in NRW:

Waldpark in Willich (nähe Düsseldorf)

Hier gibt es drinnen ein Spielzimmer und draußen einen riesigen Spielbereich mit Rutschen, Schaukeln und Trampolinen. Eine Speisekarte für die Kleinen gibt es sowohl im Restaurant selbst als auch im Biergarten.

4 thoughts on “Kinderverbot im Restaurant? Geschmacklos!

  1. Cafe‘ Momo in Rostock

    Die Idee eines barierrefreien und kinderfreundlichen Restaurants fand ich damals wirklich wundervoll. Es gab in Bau und Planung sicherlich ein paar kleine Denkfehler, aber das Ergebnis lässt sich letztendlich wirklich sehen.
    Wenn sich aber alle wirklich wohl fühlen sollen, gehört dazu auch gegenseitige Rüchsichtnahme. Achtet und kümmert euch um eure Mäuschen. Das sollte nicht die Aufgabe der Kellner/innen sein.
    Ich habe viele schöne Momente mit den Minimenschen erlebt, die ich nicht missen möchte. Aber leider auch sehr viel Quatsch. Ich habe nicht das Recht den teilweise laizessez fairen oder antiautoritären Erziehungsstil zu kritisieren. Das übersteigt zumindest meine Kompetenz als Kellner. Doch unbeaufsichtigte Kinder im Raucherbereich, in den Blumentöpfen und in anderen fragwürdigen/“gefährlichen“ Zonen lassen mich des öfteren nachdenklich und auch verärgert zurück. Ich werd auch ungern mit Spielzeug und Essen beworfen 😉
    Kinder müssen laut, rebellisch und dreckig sein. Vielleicht aber nicht zwingend in der „kurzen“ Zeit, wo andere Essen und sich entspannen wollen.
    Das von uns geplante Konzept geht nur auf, wenn wir alle aufeinander Rücksicht nehmen. Die Küche ist übrigens Pakistanisch, lecker, günstig und in der Regel innerhalb von 10 minuten am Tisch. Zu den Hauptstoßzeiten kann es eventuell auch mal geringfügig länger dauern

    1. Lieber Mike,
      vielen Dank für deinen Kommentar. „Gegenseitige Rücksichtnahme“ – genau das ist das Stichwort. Natürlich haben Eltern auch die Verpflichtung auf ihre Kinder achtzugeben.

  2. Ich möchte dir als Gastronomin und Mama antworten. Unser Restaurant ist mit Stoffservietten und Stofftischdecken ausgestattet, deren Reinigung Geld kostet.

    Ich möchte meine persönlichen Klassiker der letzten Monate mit dir teilen:
    – Tischdecke gänzlich (nicht nur am Platz des Kindes, sondern flächendeckend) mit Tomatensauce voll. Servietten, Boden, Stühle.. alles tomatig, klebrig… Eine Unverschämtheit für den Kellner, der das sauber machen muss

    – Kinder (3-4 Jahre) rannten durch den Saal, zu anderen Gästen und leerten dort die Blumenerde aus den Töpfen aus. Reaktion der eltern:“ ups, sorry.“ Und 5 Minuten später wiederholte sich das Spektakel

    – Kinder die rumschreien, ohne dass die Eltern eingreifen

    – volle Windeln werden am Tisch liegen gelassen

    Diese Dinge sind keine Ausnahme, sondern leider die Regel! Die dreistigkeit der Eltern kennt keine Grenzen. Oft fragt man sich, ob bei diesen Familien volle Windeln auch so herumliegen und drauf geschissen wird, ob die halbe Wohnung mit Sauce tapeziert wird. Weiß nicht, aber wenn die lieben Eltern glauben, dass es mein Job wäre, hinter fremden Kindern her zu putzen: nein, ich trage Teller und Getränke. Und ich möchte mit einem Mindestmaß an Würde behandelt werden.

    1. Hallo Christiana, danke, dass du deine Sicht als Gastronomin hier schilderst. Das sind natürlich absolute No-Gos! Bei so einem Benehmen und vor allem der passiven Haltung der Eltern würde wohl jeder verstehen, wenn sie als Gäste nicht gern gesehen sind.

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