Naturkosmetik für Kinder (Interview)

Der Trend geht immer mehr in Richtung Natur. Das gilt auch für den Kosmetikbereich. Gerade zarte Kinderhaut ist besonders durchlässig für Schadstoffe und verdient einen besonderen Schutz. Verunsichert durch ellenlange, kaum auszusprechende und zwielichtige Inhaltsstoffe setzen immer mehr Mütter auf Naturkosmetik. Ich habe mich mit Kerstin (36) aus Bonn unterhalten. Sie und ihre 10-jährige Tochter nutzen seit rund 5 Jahren Naturkosmetik und sind rundum zufrieden. Kerstin hat mir neben wertvollen Produktempfehlungen auch Tipps für angehende „Naturkosmetikmütter“ gegeben.

1. Warum habt Ihr Euch dazu entschlossen, auf Naturkosmetik umzusteigen?

Ich hatte immer eine sehr unkomplizierte Haut und habe jahrelang wenig gepflegt, nur mit Wasser gereinigt und meiner Haut ging es gut. Mit Ende zwanzig habe ich dann einen Gutschein für einen Termin bei einer Kosmetikerin geschenkt bekommen, die mir empfohlen hat, meine bald reifer werdende Haut doch mehr zu unterstützen. Also habe ich mich mit konventionellen Produkten ausgestattet und damit fingen meine Probleme an. Jedes neue Produkt hat die Haut kurzzeitig verbessert und nach einer Weile neue Probleme verursacht (Unreinheiten, Rötungen, trockene Stellen, juckende Pickel usw.). Da ich wusste, dass meine Haut an sich nicht „schuld“ sein kann, habe ich mich genauer mit Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen auseinandergesetzt und bin bei meinen Recherchen irgendwann auf Naturseifen gestoßen.
Parallel dazu habe ich auch bei der Haarpflege nach langem Frust durch konventionelle Produkte (Haarausfall, stumpfe Haare, schnelles Nachfetten, permanent trockene Spitzen) nach Alternativen gesucht und sie auch gefunden.
Ich hatte damals das starke Empfinden, dass mein Körper durch schwer nachvollziehbare, intransparente chemische Prozesse ins Ungleichgewicht geraten ist und die konventionellen Produkte eher noch den Zustand fördern, dass sich der Körper nicht mehr selbst helfen kann, sonst wären die ganzen Mittelchen ja obsolet.
Außerdem spielt natürlich auch Nachhaltigkeit eine Rolle. Die ständig anwachsende Menge an halbleeren Plastikverpackungen (angetestet, dann nicht mehr vertragen und doch zu schade zum Wegschmeißen) hat sich immer mehr falsch angefühlt. Im Zuge der Umstellung habe ich dann alles nach und nach verschenkt.

2. Welche herkömmlichen Produkte habt Ihr ersetzt und wie bindest Du Dein Kind in die Pflegeroutine mit ein?

Heute (ca. 5 Jahre später) benutzen wir:

  • Naturseifen zum Duschen und als Rasierschaum
  • Haarseifen und feste Shampoos
  • Lavaerde als Trockenshampoo, Badezusatz und Gesichtsmaske
  • Rosenhydrolat zur Gesichtsreinigung
  • Wildrosenöl zur Pflege
  • Aloe Vera-Gel für sonnengestresste oder anderweitig „angespannte“ Haut
  • Jojobaöl als Haar-/Spitzenkur und für Nägel und Nagelhaut
  • Dekorative Kosmetikprodukte von Alverde, Alterra, Dr. Hauschka und Andrea Biedermann
  • Kokosöl zum Abschminken
  • Diverse Produkte aus der Fairybox (die wird immer gemeinsam ausgepackt)
  • Selbstgemachte Zahnpasta aus Kokosöl, Birkenzucker, Natron und Kurkuma

Das Zusammenrühren der Zahnpasta ist für mein Kind besonders spannend, sie wiegt mit ab, rührt und darf das ätherische Öl aussuchen, mit dem wir der Zahnpasta ein bisschen Geschmack geben.
Auch gelegentliche Schlammpackungen in der Badewanne (angerührt mit Kokosöl und/oder AloeVera-Gel) sind sehr beliebt.

Gesunder Matsch Zuhause für Haut und Haar ist für jedes Kind ein Hit 🙂 .

3. Welche positiven Effekte kannst du seit der Umstellung beobachten?

Meine Haut hat sich beruhigt und ist auch noch „normal“, wenn ich hin und wieder übers Wochenende nur mit Wasser reinige und sonst gar nichts weiter mache.
Meine Tochter (10) hat ebenfalls ganz unkomplizierte Haut und Haare und empfindet natürliche Produkte als „normaler“ und echter, weil sie verstehen kann, wie sie wirken. Außerdem mag sie künstliche Gerüche nicht.
Auf Naturkosmetik umzustellen, hat auch andere Bereiche des Alltags beeinflusst. Das gute Gefühl von echten Produkten bekomme ich inzwischen auch bei Lebensmitteln, die ich inzwischen zu ca. 70% regional auf dem Bauernhof kaufe. Kleidung ist immer öfter nachhaltig produziert, oder wird gebraucht gekauft.
Im Freundes- und Kollegenkreis haben auch immer mehr umgestellt. Ich verschenke immer mal wieder Pröbchen oder empfehle gute Manufakturen, wenn mir jemand von Hautproblemen erzählt. Einige schließen sich inzwischen regelmäßig bei Sammelbestellungen an, eine Freundin macht inzwischen sogar ihre Seifen selbst.

4. Was würdest Du einer Mutter raten, die sich über Naturkosmetik für Kinder informieren möchte?

Das Internet ist voller Versprechungen. Oft sind sie falsch oder zumindest übertrieben.
Wirklich empfehlen kann ich nur, sich genau mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen und in der Umstellungsphase genau zu beobachten (oft kann man durch jahrelanges Einwirken von verschiedensten Mitteln die eigentliche Hautbeschaffenheit gar nicht mehr richtig einschätzen) und sich Zeit geben. Viele Seifenmanufakturen beraten auch gut, ebenso ist der Austausch in guten Facebookgruppen zum Thema hilfreich. Ganz wichtig ist auch ein gesundes Maß an Skepsis. Niemand kann DAS eine Wundermittel empfehlen, das für alle funktioniert, dafür sind wir alle zu unterschiedlich.
Manche KosmetikerInnen arbeiten mit Naturprodukten, dort kann eine Beratung und Hautanalyse auch sinnvoll sein. Allerdings habe ich damit persönlich keine Erfahrung.
Ich habe mich einfach selbst durchgetestet (viele Seifenmanufakturen bieten Probestückchen an) und das sehr genossen. Die Qualität, die Transparenz und die liebevolle Herstellung der Produkte machen einfach viel mehr Spaß, als es eine Plastikflasche voller künstlicher Gerüche es jemals könnte.
Meine Tochter bekommt übrigens nur, was ich schon angetestet habe, da wir uns von Haut- und Haarbeschaffenheit sehr ähnlich sind. Sie ist nach wie vor sehr neugierig und wissbegierig, was die Wirkungsweise einzelner Inhaltsstoffe angeht, sodass ich sie nie aktiv überzeugen musste.

An Papawochenenden und in den halben Ferien (ich bin alleinerziehend) gibt es dort ganz „normale“ Kosmetikprodukte. Das ist auch ganz in Ordnung so, da ich nicht missionieren möchte und die Haut von der kurzen Zeit auch nicht spontan kaputtgeht. Aber wenn sie wieder zu Hause ist, freut sie sich auf „ihre“ Sachen.

Vielen Dank für das Interview, liebe Kerstin!

Meine Empfehlung: die Codecheck App. Damit könnt ihr ganz unkompliziert und schnell direkt im Laden prüfen, welche Inhaltsstoffe sich in Kosmetikprodukten befinden. Das Beste: Mit einer farbigen Grafik erkennt ihr auf einen Blick, ob der Artikel womöglich gesundheitsschädlich sein könnte.
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Jetzt würde mich interessieren: Welche Erfahrungen habt Ihr persönlich mit Naturkosmetik gemacht?

5 thoughts on “Naturkosmetik für Kinder (Interview)

  1. Ich verzichte seit meiner Schwangerschaft vor vier Jahren auf Chemie. Zahnpasta selbst hergestellt habe ich noch nicht – würdest du mir das Rezept verraten?

    1. Hallo Maria, gerne gebe ich dir das Rezept für die selbstgemachte Zahnpasta weiter.

      Für die selbstgemachte Zahnpasta nimmt man:

      3 EL Kokosöl
      2 TL Kurkuma
      3 TL Xylit
      1 TL fein gemahlenes Natron
      optional ein paar Tropfen Pfefferminzöl / Orangenöl / Zitronenöl

      Das Kokosöl sollte flüssig sein, also am besten im Wasserbad in einem geeigneten Gefäß anschmelzen lassen. Dann die restlichen Zutaten dazu, gut verrühren und zum Abkühlen in ein Schraubglas füllen.

      Das wars schon.

  2. Danke für die schöne Inspiration auch hier mal neue Wege einzuschlagen abseits vom Mainstreamkonsum. Natürliche Haar- und Körperseife wollte ich schon längst endlich mal ausprobiert haben und auch die Zahnpasta klingt sehr interessant.

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