Kommerz, bis die Nikolausstiefel platzen

Es ist so weit: Der Nikolausstiefel steht vor der Tür. Mit ihm hat nicht nur Besinnlichkeit Einzug erhalten, sondern vor allem der Kommerz. Viel wichtiger scheint es in diesen Tagen sich gegenseitig mit Schenkungen zu übertrumpfen als einer lang gehegten Tradition nachzugehen. In den Social Media-Kanälen hat sich das Phänomen schon lange zuvor angekündigt. In Gruppen wurde man von Sammelposts überrollt, die nur eines zum Zweck hatten: Herauszufinden, wie das eigene Kind zu Nikolaus besonders glücklich wird. An sich ein schöner Gedanke, wenn da nicht der Kommerz mit im Stiefel stecken würde.

Nikolaus – das kleine Weihnachten

Wir kennen es alle noch aus der eigenen Kindheit. Abends galt es den Stiefel brav zu putzen, um ihn anschließend vor die Haustüre zu stellen. Man konnte kaum schlafen vor Aufregung. Die Spannung war nicht auszuhalten und folgende Frage kreiste immer im Kopf herum: Was wird wohl drin sein im Nikolausstiefel? Dabei wussten wir alle, dass neben der ungeliebten obligatorischen Mandarine, den Hauptteil Schokolade ausmachen würde. Schließlich ist in dem kleinen Schuhwerk einfach kein Platz für große Geschenke. Meine Eltern hielten sich eisern an die Regel: Der Nikolaus bringt nur so viel, wie in den Stiefel passt.

Mein Mann bekommt eine Smartwatch zum Nikolaus!

Nikolaus ist heute nicht nur für Kinder da. Auch Erwachsene freuen sich über die kleine Überraschung am Nikolausmorgen. Nicht selten nimmt die schöne Tradition aber unverhältnismäßige Züge an. Ein Geschenk von Herzen muss in vielen Familien anscheinend heute besonders imposant und nicht selten teuer sein. Diese Vorstellung wird dann auch unbewusst dem Nachwuchs übergestülpt. Aufgeregte Kinder empfangen sich schon an der Tür zum Kindergarten und fragen sich gegenseitig aus, was denn im Nikolausstiefel drin war. Einige Kinder werden ganz still, denn sie hatten keinen riesigen Dinosaurier mit Soundeffekten, einen CD-Spieler oder einen Rucksack im Stiefel. Sie haben sich über einen Nikolaus aus Schokolade und andere Kleinigkeiten gefreut, bis sie hörten, dass andere etwas viel Besseres bekommen haben. Aber nun stellt sich die Frage: „Ist ein imposanter Nikolausstiefel wirklich besser?“

Nikolausstiefel: Kinder mögen große Geschenke

Aus Sicht des Kindes würde diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantwortet werden. Ich sehe das Ganze ein wenig anders. Zwar mag ich es Geschenke zu machen und leuchtende Kinderaugen zu sehen, aber ich bin dabei auch immer darauf bedacht, den eigentlichen Sinn dahinter zu verstehen und weiterzugeben. Traditionen sind wichtig und Kinder lieben sie. Wenn das Nikolausfest allerdings zu einer Kommerzmaschinerie verzehrt wird, ist der besinnliche Gedanke dahinter verloren. Nikolaus war ein großzügiger Mann und besonders freundlich zu Kindern. Aber hätten ihm prall gefüllte Nikolausstiefel im Wert von 50 € wirklich gefallen? Wohl eher nicht, denn er war laut Überlieferungen stets darum bemüht Hungersnöte abzuwenden und hätte wohl eher dazu geraten, das Geld zu spenden.

Also was jetzt? Nur Schokolade?

Was genau in einen Nikolausstiefel gehört ist natürlich eine Frage des Geschmacks. Nicht jedes Kind reißt sich um Leckereien aus Schokolade, sondern freut sich vielmehr über eine andere kleine Aufmerksamkeit. Neben selbstgebastelter Weihnachtsdeko gibt es noch jede Menge anderer Alternativen.

Das kannst du in den Nikolausstiefel packen, wenn es nicht nur Schokolade sein soll:

  • Lego-Männchen
  • Schleichfiguren
  • Hörspiele
  • Glitzersteine zum Basteln
  • Gelstifte
  • Seifenblasen
  • Pixi-Buch
  • Spielzeugautos
  • Strumpfhosen (Idee von Community-Mitglied Iris)

Jetzt die Frage an Euch: Mit was befüllt Ihr Eure Nikolausstiefel und wie viel Euro empfindet Ihr als angemessen?

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4 thoughts on “Kommerz, bis die Nikolausstiefel platzen

  1. Wir halten es auch eher gering mit den Nikolausgeschenken. Neben Apfel, Mandarine und Nüssen gab es einen Nikolaus aus Schokolade für beide. Und weil sie es so und so brauchten und Oma von der alten Schule ist gab es dazu Strumpfhosen und Winterstiefel.
    Traditionell, pragmatisch und sehr gemütlich war unser Nikolaustag.
    Und am meisten hast sich der 4jährige über seine Winterstiefel gefreut (den Schuhtick hat er wohl von mir)

    1. Das ist ein schöner Input, vielen Dank! Das mit den Strumpfhosen habe ich noch nie gehört, gefällt mir aber total gut und wird direkt in die Liste mit aufgenommen 🙂

  2. Danke, einfach nur Danke für diesen Post. Genau das empfinde ich auch so und finde es so schade. Die Tradition bleibt auf der Strecke und die Magie, egal auf welches Fest bezogen, geht da in meinen Augen unter. Der Fokus liegt ganz schnell nur noch darauf: was wird gebracht, was gibt’s diesmal dickes zum Fest und das schon als Kind. Gegen Kleinigkeiten habe ich wirklich nichts einzuwenden.
    Wie gerne denke ich an den Zauber zurück, der diese Festtage ausgemacht hat. Und genau dieserZauber ist es, der mir in Erinnerung geblieben. Unsere Eltern hielten es nämlich genauso. Zum Nikolaus gab es den Stiefel mit Obst, Schokolade und Nüssen gefüllt, und irgendwann gab es eine kleine Extrazugabe, allerdings erinnere ich mich nicht mal mehr genau, was dort drin war. Für mich zählte einfach nur die Aufregung, die Magie und dass es den Nikolaus/Christkind wirklich gab.
    Somit landete gestern in den Stiefeln der Kinder: Nüsse, Obst, Schoki und Gebäck und ja, als kleine extra Zugabe ein Dino ( 😀 ), aber ohne Sound, Knöpfe und tralalala für ein Spiel voll Fantasie.

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