Hochbegabung: Mein hochbegabtes Kind

„Dein Kind ist hochbegabt, na klar!“ Eltern von hochbegabten Kindern sehen sich häufig mit Vorurteilen und Pauschalierungen konfrontiert. Auch verständnislose Blicke sind dabei, denn schließlich ist das Kind doch besonders schlau und kann demnach alles. Zur gleichen Zeit müssen sich Eltern wichtigen Fragen stellen und Entscheidungen treffen, die das zukünftige Leben ihres Nachwuchses entscheidend beeinflussen können: „Soll mein Kind früher eingeschult werden oder eine Klasse überspringen? Lohnt sich ein spezieller Test? Ich habe mich mit einer Mutter, die ein hochbegabtes Kind hat, unterhalten. Ihre Offenheit hat mich nachdenklich gemacht und mir gezeigt, dem Thema Hochbegabung wird viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

1. Wann und wie hast du zum ersten Mal bemerkt, dass dein Kind besonders begabt ist?

Bereits in der Krippe hatte er ein großes Fachwissen über die Feuerwehr und hat auch mit 2 Jahren geredet wie die 5jährigen aus dem Kindergarten. Aber direkt an Hochbegabung haben wir da noch nicht gedacht.
Erst, als er total enttäuscht von der 1ten Klasse war, weil er da ja gar nix lernt und er immer wieder negativ auffiel, kam das in einem Eltern-Lehrergespräch zur Sprache. Daraufhin haben wir ihn testen lassen.

2. Wie hat euer Umfeld darauf reagiert?

In der Schule war es schwierig. Es gab Lehrer, die auf ihn eingingen und ihn förderten und forderten, aber auch welche, die meinten, er müsse alles genau so machen, wie die anderen auch.
Bei Letzteren kam er schnell in eine Verweigerungshaltung. Wir traffen viel auf Unverständnis. Wenn jemand hochbegabt ist, muss er das ja schließlich können und sich nicht so anstellen. Dass ein Kind mit 30 IQ-Punkten über der Norm ebenso speziell gefördert werden muss, wie ein Kind 30 IQ-Punkte unter der Norm, das haben viele nicht verstanden.
Unsere Familie musste sich mit dem Thema auseinandersetzen. Meine Eltern nahmen unseren Sohn schon immer, wie er ist. Zu Hause, besonders für die Hausaufgabenbetreuung, mussten wir wissen, wie wir mit Verweigerung und Wiederholungen umgehen können. Jetzt gerade lernt unser Sohn zu lernen. Das war vorher nicht notwendig. Aber bei Englisch und Französisch geht es eben nicht ohne.

3. Bei allen Vorteilen – gibt es auch Nachteile, wenn das eigene Kind hochbegabt ist?

In der Schule hatten wir fast nur Probleme. Wer nicht in die Norm passt, fällt durch das System. Wir mussten kämpfen und uns sogar gegen die schulpsychologische Beratungsstelle in unserer Stadt behaupten. Unser Sohn sei an einer Regelschule unbeschulbar und müsse gebrochen werden. Ja, “gebrochen” – das waren die Worte der Psychologin von der Beratungsstelle. Unser Sohn ist jetzt mit 9 Jahren in der 6ten Klasse und es läuft endlich gut. Das klappt aber nur, wenn alle zusammenarbeiten und nicht Eltern gegen Lehrer oder Lehrer gegen Eltern arbeiten.

4. Was würdest du anderen Eltern raten, die sich unsicher sind, ob ihr Kind eine Hochbegabung hat?

Wenn es keine Probleme gibt, warten, bis das Kind 6 Jahre alt ist und dann testen lassen – sofern ihr einen Mehrwert aus dem Testergebnis ziehen wollt (zum Beispiel Teilnahme an der Kinderakademie oder andere Förderprojekte, wo eine Hochbegabung Voraussetzung ist). Eine Testung vorher ist oft schwierig. Auf jeden Fall einen Spezialisten aufsuchen. “Normale” Psychologen können Verweigerung oft nicht von Unvermögen unterscheiden und das Ergebnis fällt eventuell niedriger aus, als es sein könnte. Es muss das Außenrum passen, damit das Kind sein volles Potential entwickeln kann.

Übrigens: Das Interview habe ich mit einer lieben Mama aus unserer Community geführt. Möchtest Du dich bei Facebook aktiv an Mamastimme beteiligen? Dann tritt unserer FB-Gruppe bei: Mamas fragen – Mamas antworten by Mamastimme

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